Leben

Hate or Love. Was Hass mit uns macht und warum wir uns immer für Liebe entscheiden sollten.

Schreiben ist für mich zu dem Instrument geworden, um meine Seele und meine Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Schreiben ist meine Meditation. Ich habe das Gefühl, dass ich so am meisten von mir Preis gebe, aber gleichzeitig auch am meisten bewirken kann. So ist es also nicht verwunderlich, dass ich mich gegen den Podcast und für einen Blog entschieden habe. Das geschriebene Wort begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Bücher sind für mich eine eigene Welt. Gefüllt mit Geschichten, die einen Mut geben. Die einen abtauchen lassen und die eigene Fantasie beflügeln.

Früher dachte ich immer, ich habe nichts groß zu sagen. Und schon gar nicht irgendein Thema, für das es sich lohnt zu schreiben. Und falls es doch so wäre, wer würde es lesen? Mittlerweile habe ich begriffen, dass es nicht darauf ankommt, ob es einer, oder tausend Menschen lesen. Ich habe unendlich viel zu sagen, Worte und Gedanken, die raus wollen, ja raus müssen. Es hilft mir meinen Wirrwarr im Kopf zu ordnen und mich selbst besser kennen zu lernen. Und wenn es mir hilft, dann kann es vielleicht auch anderen helfen. Jeder Einzelne, mit dem ich durch diese Blog Beiträge in den Austausch gehe, ist es wert. Genauso ist jedes Gespräch im Café es wert geführt zu werden. Jeder hat das Recht gehört zu werden. Jeder hat das Recht seine eigenen Gedanken mit anderen Menschen zu teilen. Denn das ist es doch was uns ausmacht: Unsere Einzigartigkeit, die unsere Welt so bunt macht.    So vielfältig. Auch wenn wir alle unterschiedlich sind, eines wird uns immer verbinden: Liebe. Liebe verbindet. Sie erfüllt unsere Herzen und schafft neues, einzigartiges Leben. Aber irgendwie ist immer dort wo Liebe ist, auch Hass. Er zerstört unsere Welt, unsere Gesellschaft und ihre Verbundenheit. Ich bin in den letzten Wochen der Frage nachgegangen wodurch Hass entsteht und was meine Ansicht dazu ist. Ich habe einiges gelernt, auch über mich selbst. Denn Hass, Argwohn und vor allem Rassismus lauert hinter jeder Ecke. Auch bei einem selbst. Es ist kein Thema, dass nur wo anders passiert. Es ist etwas, was uns alle betrifft. Und nein solange Hass auf unserer Welt vorhanden ist, müssen wir darüber sprechen. Da gibt es kein: Jetzt ist aber endlich mal gut mit dem Thema. Denn solange es Hass und Rassismus gibt, wird es immer jemand geben, der darunter leidet. Und Leid geht uns alle was an. Egal ob Mensch oder Tier. Wir alle sind ein und dieselbe Rasse: Lebewesen dieser Erde.

Das Thema Hass ist so groß und schon unser ganzes Dasein auf Erden präsent. Aber irgendwie haben wir bisher nie so wirklich aus unserer Geschichte gelernt. Denn wenn Hass eine Sache gut kann, dann sich zu verwandeln, unterschiedliche Formen und Masken aufzusetzen und er ist ein Überlebenskünstler. Ich bin mir ziemlich sicher, dass selbst Hass auf einem Grundgedanken aufbaut, der eigentlich dem Guten dient. Ich glaube, dass Hass entsteht, weil jeder Mensch einen ausgewachsenen Sinn nach Gerechtigkeit besitzt. Und da wo Unrecht geschieht, entsteht am meisten Hass. Nur ist das Problem an der Sache folgendes: Die meisten Menschen beziehen Ungerechtigkeit nur auf ihre eigene Situation, oder die ihrer „Gruppe“. Das berühmte Ego lässt uns aus diesem Grund so selten über den Tellerrand schauen. Die Verbundenheit gerät oft völlig in Vergessenheit. Und da wo Unrecht geschieht fangen wir an, andere dafür verantwortlich zu machen. Daraus entsteht Gewalt, Rassismus und Kriege. Mein Gedanke dazu ist folgender: Wenn jeder von uns begreifen würde, dass nur er selbst für sein Leben verantwortlich ist und jeder Mensch danach handeln würde, dann gäbe es viel weniger Hass, oder Rassismus. Denn Unrecht geschieht dann, wenn jemand sich nicht so behandelt fühlt, wie er glaubt, dass er es verdient hätte. Gewalttaten passieren hauptsächlich, ja ich sage bewusst hauptsächlich, weil es so unendlich viele Facetten davon gibt, dass nichts zu 100 % abgedeckt werden kann, weil eine Person mit seinem Hass nicht mehr klarkommt und jemand anderen dafür verantwortlich macht. Und mit dieser Motivation handelt. Nur das Problem ist folgendes. Hass verschwindet nicht, wenn man andere zur Rechenschaft zieht. Denn Frieden findet man einzig und allein in sich selbst. Und da wären wir wieder bei der Verantwortlichkeit. Der Kreis schließt sich.

Keine Frage, das hier ist kein Thema, das so simple gelöst wird. Doch glaube ich, es könnte ein Teil dazu beitragen, Hass durch Liebe zu ersetzen.

Vor ein paar Tagen kam eine alte Frau zu mir ins Café. Sie bestellt Waffeln und einen Kaffee. Weil nicht viel los war kamen wir ins Gespräch. Sie erzählte mir, wie schrecklich ihr Tag begonnen hatte. Zunächst viel ihr das frisch gebackene Brot auf den Küchenfußboden. Beim Duschen ging der Duschvorhang kaputt. Und im Briefkasten schlussendlich fand sie eine schlechte Nachricht ihrer Gesundheit betreffend. Sie erzählte mir nicht, was in dem Brief stand, aber ich konnte sehen, dass es keine Kleinigkeit war. Die alte Frau lächelte mich an und sagte: Weißt du, eigentlich wollte ich nach diesem Start in den Tag gar nicht mehr rausgehen. Und es wurde auch nicht besser, denn zur Krönung, als ich mich entschloss dann doch noch loszufahren, fiel ich beim Einsteigen, in den Bus hinein. Aber es kamen mir gleich ganz viele liebe Menschen zur Hilfe. Als ich Google Maps zu Hilfe nahm, um mir den Weg anzeigen zu lassen, stolperte ich über dein Café. Es war nicht geplant hier her zu kommen, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich heute hier her möchte. Und was soll ich sagen, es war die richtige Wahl.

Wir sprachen viel über unser Leben und dann sagte sie zu mir: „Weißt du Annette, du kannst so unglaublich stolz auf dich sein. Du hast mit deinen 26 Jahren bereits gelernt, worum es im Leben wirklich geht. Ich wünschte, ich hätte das auch so früh verstanden“. Daraufhin sagte ich: „Ich glaube jeder Mensch kann froh sein, über jede Erfahrung, die er in seinem Leben macht. Bist du nicht glücklich darüber, dass du es immerhin jetzt verstanden hast, was wirklich zählt?“. Sie lächelte und sagte: „Ich bereue in meinem Leben nichts und nein ich bin nicht traurig, sondern genauso glücklich wie du.“ Ich lächelte nur und fügte hinzu: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch einiges zu lernen habe. Und noch viele Prüfungen auf meinem Weg liegen, die ich heute noch nicht mal für möglich halte. Aber ich freue mich darauf, denn wenn ich einmal so alt bin wie du möchte ich nach so einem Tag genau so lächeln können, wie du es gerade tust“.

Irgendwie kamen wir vom hundertsten ins tausendste. Und wir kamen auf die derzeitige Situation in den USA zu sprechen. Dazu musst du wissen, dass sie die letzten 13 Jahre dort gelebt hatte und ihre Tochter mit ihren Enkeln noch heute in Florida leben. Ihre Enkel sind Afroamerikaner.

Ich muss ehrlich sein und das sagte ich auch zu ihr, dass ich es nie für möglich gehalten habe, dass Rassismus gegenüber Afroamerikaner immer noch so ein großes Thema ist. Sie erzählte mir, dass ihre Enkel sich damals entscheiden konnten, welche Hautfarbe sie im Pass eintragen lassen möchten. Sie entschieden sich bewusst für „schwarz“. Was mich im Nachhinein erst völlig fassungslos machte: Hallo? Warum zum Teufel muss man überhaupt angeben, welche Hautfarbe man besitzt? Aber ich habe recherchiert. Tatsächlich muss man in den USA sogar ziemlich oft die „Rasse“ angeben. Außerdem erfuhr ich, dass schwarzen Kindern von der Pike auf beigebracht wird, wie sie sich zu verhalten haben, wenn die Polizei sie aufhält. Das sie sich oft nicht so verhalten dürfen, wie ihre weißen Spielgefährten. Einfach weil Rassismus nach wie vor ein riesiges Thema ist in den USA. Aber nicht nur dort. In Deutschland genauso. Nur spricht kaum jemand darüber. Denn hier hat der Hass eine andere Maske. Vorhanden ist er aber trotzdem.

Ich muss ehrlich sein, ich will bewusst nicht mehr von „Schwarze“ und „Weiße“ sprechen. Allein damit gebe ich doch bewusst wieder, dass ich von denen und uns spreche. Es gibt aber verdammt nochmal kein Wir und Die. WIR sind doch alle gleich, egal welche Hautfarbe, welche Haarfarbe wir haben, wie wir uns kleiden, oder an wen wir glauben. In der kompletten Geschichte unserer Welt haben wir mit unserem Hass immer andere Gruppen dafür verantwortlich gemacht, wenn etwas nicht so lief, wie wir uns das vorstellten.

Auch hier in Deutschland keine Seltenheit, wie wir alle wissen. Damals waren es die Juden, und heute sind es so ziemlich alle Einwanderer. Denn die nehmen uns ja die Jobs weg. Oder das Geld, oder sind grundsätzlich sowieso alle Schwerverbrecher.

Ungerechtigkeit führ zu Hass. Und es gibt Menschen in dieser Welt, die sich es zur Aufgabe gemacht haben, diesen Hass für ihre Ziele zu nutzen und zu kanalisieren. Diese Menschen versuchen bewusst Gruppen zu formen, denn Hass wird größer, wenn man ihn in einer Gemeinschaft teilen kann.

Und deswegen finde ich es nach wie vor so wichtig, dass wir darüber sprechen. Dass wir aufstehen und nicht wegsehen, wenn wir Rassismus und Gewalt sehen. Solange es Menschen gibt, die Hass Einhalt bieten, wird Liebe immer gewinnen. Daran glaube ich fest.

Einhalt gebieten bedeutet übrigens nicht sich vom eigenen Hass leiten zu lassen. Es sollte nie heißen: Die gegen uns. Sondern wir für alle.

Gestern habe ich einen Film gesehen, der eigentlich überhaupt nicht dem entspricht, was ich gerne anschaue. Gewalt ist gar nicht mein Ding, ich kann da nicht hinsehen und auch bei diesem Film bin ich ein paar Mal aufgestanden und weggegangen, um die Szene nicht zu sehen. Es handelt sich um den Film: American History X. Im Grund geht es um einen Neonazi und seinen Bruder, die beide in Amerika leben und ihren Vater verloren haben, weil ein „Schwarzer“ ihn bei einem Einsatz erschoss. Dadurch wurden die beiden in eine Gruppe Neonazis gezogen, die angeführt wurde von einem großen Naziverfechter. Ein kluger Mann, der Derek, den älteren der beiden Brüder für seine Zwecke ausnutze. Derek kam ins Gefängnis, nachdem er zwei Afroamerikaner kaltblütig ermordete. Nachdem er nach 3 Jahren wieder entlassen wird, ist er ein anderer Mensch. In dem Film gibt es immer wieder Rückblicke, wie es eigentlich zu all diesem Hass und Rassismus gekommen ist. Auch wenn der Film viel Gewalt beinhaltet, finde ich ihn dennoch sehr empfehlenswert. Der Film ist von 1998 und noch genauso aktuell, wie damals.

Zwei Sätze sind mir in Erinnerung geblieben, die ich gerne mit dir teilen möchte:

Beide kommen von Dereks kleinem Bruder Danny am Schluss seines Aufsatzes über Derek:

Wir sind keine Feinde, sondern Freunde. Wir dürfen keine Feinde sein. Leidenschaft mag die Bande unserer Zuneigung zwar anspannen, aber zerreißen darf sie sie nicht. Die mystischen Klänge der Erinnerung werden ertönen, wenn – und dass ist sicher – die besseren Engel unserer Natur sie wieder berühren.

Was er als Leidenschaft beschreibt, beschreibe ich als den Drang von uns allen nach Gerechtigkeit. Und das ist nichts anderes als Leidenschaft. Nur eben darf es eines nicht: Unsere Verbundenheit in Frage stellen. Denn so wird schnell aus Leidenschaft Hass und aus Verbundenheit Zerrissenheit.

Das andere Zitat ist auch meine Quintessenz aus den letzten zwei Wochen:

“Hass ist Ballast. Das Leben ist zu kurz dafür, dass man immer wütend ist. Das ist es einfach nicht wert.”

Und er hat Recht. Sein Leben damit zu verschwenden, andere, oder sich selbst zu hassen für Dinge, die in der Vergangenheit liegen, ist es nicht Wert. Wir alle haben nur eine begrenzte Zeit. Niemand von uns weiß, wann sie vorüber ist. Aber eines ist sicher: Über kurz, oder lang sind wir in der gleichen Situation, wie die alte Dame aus meinem Café. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist dann folgende: Wer möchten wir am Ende sein? Die alte Dame, die mit einem Lächeln auf den Lippen auf ihr Leben zurückblickt, auch wenn sie gerade eine schlimme Nachricht erhalten hat? Oder wollen wir zerfressen sein von unserem Hass auf die Welt und auf Menschen, die genauso ein Recht darauf haben das Beste aus ihrem Leben zu machen wie wir?

Das Gute ist: Wir haben jeden Tag die Wahl. Wählen wir Liebe anstatt Hass. Denn Liebe gewinnt. Immer.

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